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Wie Hochsensible ihre Akkus wieder aufladen

Wie du lernst, dir wieder Gutes zu tun

Frau, die entspannt am Strand liegt

Kürzlich fragte eine Blogleserin an, ob ich denn auch einen Artikel darüber geschrieben hätte, wie Hochsensible ihre Akkus wieder aufladen können, wenn sie lange nicht gut für sich gesorgt haben. - Hatte ich nicht.

 

Aber jetzt ist er da, der ersehnte Artikel zu einem so, so, so wichtigen Thema mit Tipps und Anregungen zum Auftanken. Danke liebe Antje, für deinen Hinweis! :-)

 

Je länger du "ausgehalten" hast, desto länger brauchst du, um dich zu erholen

Wir Hochsensible sind gut im "Aushalten", im "Durchhalten", im "Zurückhalten". Und je länger wir das tun, desto länger brauchen wir in der Regel, um uns wieder zu erholen. Wieder ganz zu werden, wieder voll in unsere Kraft zu kommen.  

 

Doch irgendwann im Leben ist das Maß voll. Bei der einen früher, beim anderen später. Wir wollen nicht mehr aus-, durch- oder uns zurückhalten. Wir wollen leben - echt, ganz, stimmig - so wie es uns entspricht. Aber was entspricht uns? Wissen wir das noch?

 

Ich wusste das lange Zeit nicht mehr und habe mich nach der Entdeckung meiner eigenen Hochsensibilität einige Jahre damit befassen dürfen, mich wieder daran zu erinnern,

  • was mir wirklich gut tut,
  • welcher Lebensrhythmus mir entspricht,
  • welche Begegnungen mich nähren,
  • welche Talente neu entdeckt und endlich gelebt werden wollen,
  • welchen Platz ich einnehmen möchte (siehe Artikel "Wie du deine Berufung findest" in meinem SpiritualLifeBlog)
  • und wie ich angemessen für meine Herzenswünsche eintrete.

Auch du kannst dir eben diese Fragen stellen, um wieder zu dir zu finden. Um dein Leben nach und nach in deinem Rhythmus zu gestalten, mit den Erlebnissen und Menschen zu bereichern, die dir gut tun, dir deiner Talente wieder bewusst zu werden und sie selbstbewusst und voller Freude für dich und andere einzusetzen. Dich darin zu üben, für dich einzustehen - auf eine entspannte, selbstverständliche, natürliche Art und Weise.

 

Folge deiner Freude, denn sie ist Fingerzeig deines Herzens und deiner inneren Wahrheit

In den Momenten, in denen ich einfach meiner Freude folge, wird alles ganz leicht, kraftvoll und energetisierend. Als ich mich am Tiefpunkt befand und zutiefst erschöpft war, gelang es mir mithilfe meiner Freude, mir die Dinge zurückzuerobern, die mich nährten, dich mich erfüllten und glücklich machten. Und so füllten sich nach und nach wieder meine Akkus. Und ich lernte mich und meine Bedürfnisse wie auch meine Grenzen neu kennen.

 

Am Anfang war die Freude nur ein kleines Fünkchen Licht, das bei dem Gedanken an eine bestimmte Beschäftigung, auftauchte. Später wuchs die Freude zu einem großen, bunten Lichtball in meinem Herzen heran, der sich immer zeigt, wenn mir mein Herz signalisiert: Hier geht es lang. Nimm diesen Weg im Leben. Gönne dir diese schöne Beschäftigung. Entdecke diese Tätigkeit neu für dich. Lies dieses Buch. Hüpfe in die Badewanne. Mach einen Ausflug an den See. Lass dies sein. Warte ab. Geh in die Stille. Sprich deine Wahrheit aus...

 

Wenn du deine Akkus aufladen möchtest, dann folge also deiner Freude. Lerne die Zeichen der Freude in dir neu kennen und folge ihnen. Mach das, was dir Freude bereitet. Das ist das größte Geschenk, das du dir und deinen Liebsten, ja, der Welt machen kannst. Und es ist das, was dich nährt und beglückt und im Einklang mit deinem Herzen ist. :-)

So einfach kann es sein! :-)

 

Lass die Natur dein Helfer sein

Wie von selbst läuft das Aufladen meiner Akkus währenddessen in der Natur. Jeder Baum, jedes Blümchen, jeder Waldbewohner scheint mich liebevoll willkommen zu heißen und zu umsorgen. Waldbaden ist der neue Trend. Und auch, wenn ich ganz altmodisch im Wald spazieren gehe und mich dort dann und wann an einen Baum lehne oder auf eine Wiese setze, dann kann ich bestätigen: Der Wald ist ein heilsamer Ort, der uns hilft, uns wieder zu erden und aufzuladen, Unliebsames abzustreifen und Abstand und Klarheit zu gewinnen. Einfach WUNDERvoll!

 

Aber auch ein See, ein Bach, ein Fluss oder das Meer sind für mich Labsal und Quell der Frische. Andere wiederum lieben die Berge, die ich mir am liebsten aus der Ferne anschaue. ;-) Folge auch hier deiner Freude und lass dich an Orte führen, die dir wohltun.

 

Wisse um deine Bedürfnisse und erfülle sie dir!

Bevor ich meine Hochsensibilität und die damit verbundenen Besonderheiten entdeckte, bin ich zweimal in Erschöpfungszustände und den Burnout gerutscht und hatte mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen. Ich lebte ein Leben, das mir nicht entsprach, mich nicht nährte, erfüllte, glücklich machte. Aber ich wusste damals auch nicht, wie das für mich funktionieren könnte, so ein nährendes, erfülltes, glückliches Leben. Denn was ich vor lauter Aus-, Durch- und Zurückhalten vergessen hatte, waren meine Bedürfnisse. Ich hatte sie zeitlebens so gut verdrängt, dass sie mir nicht mehr bewusst waren oder dass ich sie mir nicht mehr erlaubte.

 

Erst als ich über die Bedürfnisse anderer Hochsensibler las, konnte ich mir viele meiner eigenen Bedürfnisse "erlauben". Es war so überaus entlastend für mich zu erfahren, dass so viele andere hochsensible Menschen die gleichen Bedürfnisse haben wie ich. 

 

Zuvor hatte ich stets versucht, mich an mein Umfeld anzupassen, nicht immer mit großem Erfolg, dafür aber mit immenser Kraftanstrengung. Mein Rückschluss lautete: Wenn alle anderen mein Bedürfnis nach z.B. Ruhe nicht teilten, konnte mein Ruhebedürfnis nicht berechtigt sein. Und so begrub ich mein Ruhebedürfnis und versuchte mich stattdessen in Selbstoptimierung. Auf diese Weise wollte ich so "leistungsfähig" werden, wie es mein Umfeld zu sein schien. Du ahnst wahrscheinlich, dass mir dies nicht gelungen ist und mich stattdessen in die Erschöpfung geführt hat.

 

Wenn es dir ähnlich ergeht oder erging ist mein Tipp: Werde dir deiner Bedürfnisse wieder bewusst, erlaube und erfülle sie dir. Wenn du dich deiner Bedürfnisse nicht mehr so gut erinnern kannst, dann mache dir die klassischen Bedürfnisse Hochsensibler bewusst und spüre in dich hinein, ob sie auch die deinen sind, z.B.:

  • Bedürfnis nach Ruhe & Rückzug
  • Bedürfnis nach Tiefe
  • Bedürfnis nach Sinn
  • Bedürfnis nach Echtheit, Wahrheit, Authentizität (bei dir und anderen)
  • Bedürfnis nach einem nährenden, achtsamen Miteinander
  • Bedürfnis nach Kreativität
  • Bedürfnis nach Vielfältigkeit (siehe z.B. Vielbegabung bei Hochsensiblen)
  • Bedürfnis nach Naturverbundenheit
  • Bedürfnis nach Spiritualität
  • Bedürfnis nach emotionaler Ausgewogenheit (siehe z.B. Wut für Hochsensible kaum auszuhalten)

Setze eine kraftvolle Intention

Wenn es dir schwer fällt, dir deine Bedürfnisse einzugestehen oder sie dir zu erfüllen, dann kannst du z.B. täglich die Intention setzen: 

 

"Heute experimentiere ich damit, mir meiner Bedürfnisse bewusst zu sein, sie zu achten und sie mir zu erfüllen. - Zu meinem und zum höchsten Wohle aller Beteiligten."

 

"Heute erlaube ich mir, ganz und gar meiner Freude zu folgen und herauszufinden, was sie mir zu schenken vermag."

 

 

Passe diese Intentionen gern an deinen persönlichen Sprachgebrauch an. Wähle dabei deine Worte positiv und so dass sie keinerlei Widerstand in dir auslösen.

 

Erkenne deine Grenzen - stehe liebevoll für dich ein

Um wieder ganz in meine Kraft zu finden, brauchte es für mich neben der Wiederentdeckung von Freude, erfüllten Bedürfnissen, wiederentdeckten Talenten und dem Ausleben meiner Kreativität und meines eigenen Rhythmus' auch das Wiedererkennen und Wahren meiner Grenzen. 

 

Dazu liest du mehr in den Artikeln "Wie Abgrenzung für Hochsensible funktioniert" und "Abgrenzung Teil 2 - Die eigenen Grenzen kennen" - wenn du FREUDE daran hast. :-) 

 

Lebe deine zarte Stärke!

Alles Liebe, deine Inga

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Kommentare: 3
  • #1

    König Rosmarie (Donnerstag, 25 Juni 2020 21:06)

    Vielen Dank liebe Inga.
    Ich habe grad soeben diese Internetpräsenz entdeckt. Ich weiss schon länger um meine Hochsensibilität, habe auch schon viel recherchiert und gelesen.
    Aber diese Seiten sprechen mich sehr an, Deine Sprache berührt mich und ich erkenne mich so sehr.
    Und es hilft wirklich, wenn andere Hochsensible ihr Erleben schildern, das ganz Eigene zu spüren und auszudrücken.
    Vielen herzlichen Dank. Ich freue mich, weiter auf den Seiten zu stöbern.
    Alles Liebe und Gute aus der Schweiz.
    Ganz herzliche Grüsse
    Rosmarie König

  • #2

    jana . perlenMut (Freitag, 17 Juli 2020 13:53)

    Liebe Inga. Ich habe gerade deine Seite gefunden und viel davon, darin gelesen. Hochsensibel, ist das eine Fachdiagnose oder eine eigene Feststellung. Ich bin gerade sehr verunsichert, alles was du schreibst finde ich in mir ...
    Bin ich Hochsensibel?
    LG janA

  • #3

    Inga Dalhoff (Sonntag, 19 Juli 2020 16:52)

    Liebe Jana,

    bisher gibt es meines Wissens keinen allgemein gültigen oder anerkannten Test für Hochsensibilität. Aber viele BloggerInnen und AutorInnen, Coachs oder BeraterInnen haben eigene und sich meist ähnelnde Selbsttests veröffentlicht, die innere Orientierung schenken können. Meine Tests findest du hier: https://www.zart-stark.de/bin-ich-hochsensibel/

    Ich persönlich hatte nie das Bedürfnis nach einer offiziellen "Diagnose", zumal es sie wie gesagt nicht gibt. Da ich ein intuitiver Mensch bin, habe ich mir angewöhnt, den Dingen zu folgen, die mich in irgendeiner Weise ansprechen, die mir Erkenntnisse oder ein inneres Aha bescheren. Die mir die Möglichkeit schenken, mich selbst intensiver zu betrachten und mich besser zu verstehen und zu entfalten.

    Darum ist mein Tipp: Wenn dich die Hochsensibilität neugierig macht, dann folge deiner Neugier und schau, was dir Blogtexte, Videos, Bücher oder Seminare zu dem Thema zu schenken vermögen. :-) UND: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die neugierig auf die Hochsensibilität wurden, in irgendeiner Weise (hoch-)sensibel sind. :-)

    Alles Liebe, deine Inga