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Sind Hochsensible EinzelgängerInnen?

Von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit & der Suche nach Freiraum

Foto Einsiedlerkrebs

Hochsensible, auch die extrovertierten, pflegen nur handverlesene Freundschaften und begeben sich vorsichtig in Partnerschaften. Doch auch wenn der Kontakt mit anderen nährend, weil achtsam ausgewählt ist, genießen HSP jede freie Minute, in der sie mit sich allein sein können.

 

Gleichzeitig treibt sie die Sehnsucht nach Zugehörigkeit um. Viele Hochsensible verlieren sich auf der Suche nach eben dieser Zugehörigkeit durch Überanpassung und Bemühung. 

 

Gilt es, an sich zu arbeiten? Oder ist es an der Zeit zu akzeptieren, dass es die Erlaubnis für das eigene Emeritentum braucht? (M) ein Erfahrungsbericht.

 

 

Von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit

In mir selbst hat immer die Sehnsucht nach Zugehörigkeit gepocht. Stets habe ich mir Seelenverwandte gewünscht, von denen ich mich verstanden, getragen und genährt fühlen kann und habe mich suchend in verschiedene Vereine, Genossenschaften und Projekte mit GleichgeSINNten eingebracht.

 

Doch trotz aller gemeinsamer Ideen und Aktivitäten bin ich nie richtig angekommen, habe ich mich nie so richtig zuhause gefühlt. Es blieb ein Fremdsein und ein Gefühl von Einsamkeit (siehe auch "Sind Hochsensible einsamer als andere?"). Es blieb eine Unzufriedenheit mit mir selbst, dass mich all die gemeinschaftlichen Prozesse so anstrengten, dass ich so schnell die Geduld verlor. Dass ich anders als die anderen so gar nicht in der Gemeinschaft auftanken konnte, sondern mich nach fast jedem Treffen erschöpft und ausgelaugt fühlte. Und dabei bemühte ich mich wirklich! Ich bemühte mich so sehr, in diesen Gruppen und Projekten anzukommen, dass ich nicht nur jede Menge Energie dabei verlor, sondern auch mich selbst. 

 

Es hat viele Jahre gedauert, bis ich langsam erkannte, dass ich eine Einzelgängerin bin. Noch viel länger dauerte es zu akzeptieren, dass ich eine Einzelgängerin bin!

 

Denn ich fühlte mich stets unvollkommen und egoistisch als Einzelgängerin. In diesen Zeiten ist es doch ganz augenscheinlich wichtig zusammenzustehen. JETZT ist es doch an der Zeit zu einem neuen, echten WIR zu finden. Gemeinsam die Klimakrise, den Pflegenotstand, die Coronamaßnahmen zu meistern, Flüchtlingshilfe zu leisten, die Vision der neuen Welt zu hegen und zu pflegen.

 

Schritt für Schritt komme ich mir näher. In den letzten Jahren werden die Schritte auch Dank der Coronamaßnahmen und der erzwungenen Vereinzelung größer. Wie wohltuend dieses Eremitendasein für mich ist! Mit Abstand erkenne ich, was an WIR wirklich für mich möglich und machbar ist - auf ganz anderer Ebene als gedacht. Erkenne,

  • dass meine Beiträge für das neue WIR in mir geboren werden. Darin bestehen, mich selbst anzunehmen, zu befrieden, meine Gedanken und inneren Prozesse für andere, dich und euch aufzuschreiben und mit euch zu teilen.
  • Dass mein Beitrag für das neue WIR meine Spiritualität und Traumkraft ist, sich im Schreiben ausdrückt und in Onlinegruppen und Social Media Verbreitung findet, sich still und leise auf energetischem Wege und mit großer energetischer Verbundenheit ausdehnt.
  • Dass mein bedingungsloser Wunsch nach Autarkie und einem gesunden Körper ganz neue Wege entstehen lässt, die bisher noch wenige gegangen sind. Dass auch darin ein Geschenk für andere verborgen liegt. Nämlich, dass Möglichkeiten sichtbar werden, Mut, Kraft und Motivation wächst.
  • Dass mein Mich-selbst-erkennen ein Sich-selbst-Wiedererkennen in euch auslösen kann.

Das gibt mir Kraft und schenkt mir das ersehnte Gefühl von Verbundenheit und WIR, von NützlichSein und Freude.

 

Erst mit meinem bedingungslosen JA zu meinem SoSein wird alles leichter, energetisch weniger herausfordernd, echter, authentischer, kraftvoller, freier und führt zu der Verbundenheit, die ich mir so sehr wünsche. Einer Verbundenheit, die eher geistig energetischer als physischer Natur ist. Die sich weniger durch ein miteinander Arbeiten als durch ein miteinander Sein ausdrückt. Die sich zu Menschen aufbaut, die ich oft nicht einmal persönlich kennenlerne und doch spüre. Das fühlt sich wundervoll an. 

 

 

Freiraum macht Freundschaften & Partnerschaften für HSP erst möglich

Ja, ich mag inspirierende Gespräche. Am liebsten 1 zu 1 oder in Kleingruppen von drei bis vier Leuten online auch gern mit mehr Menschen. Und dann brauche ich eine Pause. Eine lange Pause von mehreren Tagen meist. Auch wenn das je nach persönlicher Verfassung und Aufgabendichte im Alltag variieren kann. 

 

Nach einem Urlaub mit meinem Freund brauche ich Urlaub von meinem Freund. Nicht weil er so anstrengend wäre oder ich ihn nicht lieben würde. Sondern weil ich nach Zeiten der Zweisamkeit ein AlleinSein brauche, dringend. 

 

So richtig entspannen kann ich mich am besten mit mir allein. Ein Zusammenleben mit meinem Freund ist schön und gleichzeitig herausfordernd, weil ich mich in der gemeinsamen Wohnung eben immer nur dann wirklich entspannen, ausdehnen und in meiner eigenen Energie baden kann, wenn er einmal nicht da ist. Auch ein alleiniger Waldspaziergang ändert daran nichts. Denn dort draußen gibt es andere Reize, die mich nicht ganz entspannen lassen, die meine Aufmerksamkeit binden, die mir neue Anreize zu Reflexion und Innenschau sind. Nein, ich brauche mein Schneckenhaus, meine eigenen vier Wände, in denen ich ganz für mich allein sein kann, um mich zu entspannen.

 

Auch hier galt und gilt es, mir Akzeptanz zu schenken und die Erlaubnis zu geben, diesen vielen Raum für mich in Anspruch zu nehmen. Dieser eigene Raum kostet gerade im Raum München Geld, viel Geld. Dieser eigene Raum scheint unerhörter Luxus zu sein, wo doch viele Menschen gar kein Dach über dem Kopf haben und Mutter Erde ohnehin schon zugepflastert ist. Bin ich unsozial oder eine Umweltsünderin?

 

Beides möchte ich nicht sein. Es widerstrebt mir, wie allen Hochsensiblen, die ich bisher kennenlernen durfte, zutiefst, dem Gemeinwohl entgegen zu handeln, Dysbalancen zu schaffen. Doch ich brauche diesen Raum. Ich brauche FreiRaum für mich wie die Luft zum atmen. Kann meine Talente nur dann frei und ganz entfalten, sie herschenken und sie dienlich einsetzen, wenn ich diesen Raum habe. Seit einigen Jahren wächst ein Selbstverständnis in mir. Das tut wohl. Denn mit dem Selbstverständnis, wächst die Erlaubnis, wächst mein mich Ausdehnen. Möglichkeiten für mehr FreiRaum öffnen sich und zeigen sich. Es wird leichter. Herrlich!

 

Und ich spüre, dass das Mir-Raum-Nehmen weder unsozial noch umweltzerstörerisch ist. Es schafft vielmehr Frieden und positive Energie, Synergien und Fülle - für alle Beteiligten. Was für ein Geschenk!

 

 

Wie geht es dir mit Beziehungen? Bist du ein Gruppenmensch, ein 1 zu 1 Mensch, eine EinzelgängerIn?

Schenkst du dir die Erlaubnis und Akzeptanz für dein SoSein?

Schreib mir gern deine Tipps und Erfahrungen in die Kommentare, damit auch andere LeserInnen von deinen Lernkurven profitieren können. :-)

 

Lebe deine zarte Stärke!

Alles Liebe, deine Inga

 

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