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Wie Hochsensible ihre Selbstzweifel besiegen

Selbstzweifel hindern uns daran, unseren Platz einzunehmen

Foto einer zweifelnden Frau

Im letzten Artikel ging es um die hohen Ansprüche, die Hochsensible an sich stellen. Daran anknüpfend kannst du heute etwas über die Selbstzweifel vieler Hochsensibler lesen. Denn ich glaube, dass Hochsensible mehr als viele andere Menschen einen Hang zum Selbstzweiflertum pflegen.

 

Warum das so ist, und warum wir damit schnellstens abschließen sollten, darum geht es heute.

Neigen Hochsensible wirklich zu mehr Selbstzweifeln als andere?

Pauschalisierungen sind nicht meins. Und doch habe ich in meinen Beratungen oft festgestellt, dass Hochsensible nicht den Erfolg haben, den sie haben könnten, nicht das unbeschwerte Lebensglück genießen, das sie genießen könnten, weil sie überdurchschnittlich stark an ihren Kompetenzen und ihrer Leistungsfähigkeit zweifeln. Dass sich viele Hochsensible selbst stark infrage stellen und sich mit hohen Ansprüchen an sich selbst und mit ihrem Perfektionismus herumplagen.

 

Und dabei geht jede Menge ihrer kostbaren Energie drauf! Von freier Selbstentfaltung und dem selbstbewussten, freudigen Ausleben der eigenen Talente, dem Erwachen zu ihrer wahrhaftigen Größe sind viele Hochsensible deshalb weit entfernt.

 

Wie uns unsere Überzeugungen zu SelbstzweiflerInnen machen

In meinem Artikel vom 24.07.2012 habe ich über die fünf häufigsten Glaubenssätze Hochsensibler geschrieben, wie sie zustande kommen und wie du sie relativieren kannst. Hier seien sie noch einmal in aller Kürze genannt: 

 

Meine Wahrnehmung ist falsch. 

Ich bin so extrem ruhebedürftig. / Ich bin so langsam.

Ich bin nicht sonderlich konfliktfähig / übertrieben harmoniebedürftig. 

Ich bin nicht so leistungsfähig. 

Ich bin (hier) verkehrt. / Ich bin irgendwie anders. / Ich bin irgendwie nicht von dieser Welt.

 

Na, kommen sie dir bekannt vor?

 

All diese Überzeugungen habe auch ich gepflegt. Und infolge dieser Überzeugungen habe ich meine Ansprüche an mich selbst ständig hochgeschraubt. Ich habe noch perfekter versucht, alle beruflichen, gesellschaftlichen und familiären Anforderungen zu erfüllen. Wollte mich besser und besser in die vorgegebenen Rahmenbedingungen einfügen.

 

Puh, war das anstrengend!!! Bis zur Erschöpfung und Selbstverleugnung gingen meine Anpassungsversuche. Ich wollte irgendwie dazugehören, meinen Lebensunterhalt verdienen wie alle anderen, meine Freizeit genießen wie alle anderen. Ich wollte nicht anders sein. Aber weil mich alle Anpassungsversuche immer nur mehr erschöpften, mich alles Bemühen, mit meinem Umfeld mithalten zu wollen, nur noch mehr ausbrannten und langweilten, zweifelte ich mehr und mehr daran, "richtig" zu sein. Ich fühlte mich immer kleiner und unpassender.

 

Spannend, dass ich in dieser Zeit nie auf die Idee kam, die Rahmenbedingungen, Erwartungen und Routinen meines Umfelds zu hinterfragen. Nein, an mir selbst zweifelte ich! Denn allen anderen schien es ja gut zu gehen. Alle anderen schienen ihre beruflichen Aufgaben ja meistern zu können und noch ein reges Privatleben zu genießen. Meine Kraft reichte oft nur für eines von beidem. 

 

Statt zu schauen, welche Rahmenbedingungen wir für ein erfülltes, glückliches Leben brauchen, wie wir unsere Talente besser und zum Wohle aller ausleben können, versuchen sich viele Hochsensible so wie ich früher auf Biegen und Brechen mit den vorgegebenen Bedingungen zu arrangieren.

 

Ich persönlich kam irgendwann meinen Überzeugungen auf die Schliche. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Meine Überzeugungen hatten mich immer tiefer in Selbstzweifel gestürzt. Und damit hatte ich mich immer kleiner und kleiner, unvollkommener und unvollkommener gefühlt. Hatte mich beruflich unter Wert verkauft oder mich allzu sehr in Rollenbilder hineingeschmiegt, die mir gar nicht entsprachen. 

 

Wie du ungesunde Überzeugungen (ob du dir ihrer bewusst bist oder nicht) kraftvoll und super einfach loslässt, das erfährst du in meinem E-Book "Lebe frei!", das du in meinem Spiritual Life Blog findest. 

 

Das Ablegen von Überzeugungen und Selbstzweifeln bedeutet enorme Befreiung

Mit dem Erkennen und Ablegen der eigenen Überzeugungen begann meine Selbstbefreiung. Mit der Selbstbefreiung kam das Erkennen und die Entfaltung der eigenen Talente. Und mit dem Ausleben der eigenen Talente fand ich wieder in die Lebensfreude und in die selbstverantwortliche Gestaltung meiner Lebensbedingungen zurück!

 

Ich hörte auf, mich auf kraftraubende, selbstzweiflerische Weise an das anzupassen, was der "Arbeitsmarkt" oder der Freundeskreis eben so bot. Ich gestaltete mir mein Leben, wie es mir gefiel.

 

Und dann plötzlich stellte ich fest, wie wertvoll meine Impulse für Kollegen und Kooperationspartner sind. Wie wertvoll meine Art des vernetzten Denkens für ein Projekt sein kann. Wie hilfreich es ist, mich dafür einzusetzen, Besprechungen zu vertagen, weil noch Informationen und Abstand für eine klare Entscheidung fehlen. Wie wertvoll es ist, die Stimme für Langsamkeit und Achtsamkeit zu erheben, für Nachhaltigkeit und Miteinander, für ein stimmiges Ergebnis statt einem halbgaren Kompromiss.

 

Doch meine Stimme zu erheben, meinen Empfindungen konstruktiv Ausdruck zu verleihen, meine Meinung zu Diskussionen beizutragen, das war mir erst möglich, nachdem ich meine Überzeugungen und meine Selbstzweifel abgelegt hatte. 

 

Lass aus Selbstzweifeln Selbstreflexion werden

Inzwischen sind Selbstreflexion und gesunde Innenschau statt Selbstzweifeln Teil meines Seins und Lebens. Achtsame Selbstbetrachtung macht mich nicht klein wie der Selbstzweifel, sondern vermag es, mich z.B. vor Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit zu warnen. Denn auch die erlebe ich dann und wann an mir. (Wenn du magst, dann kannst du an dieser Stelle in meinen Blogbeitrag "Erkenntniswege zur Hochsensibilität" nachlesen, wie auch Selbstgefälligkeit zum "Erwachen" und Erkennen der hochsensiblen Talente gehören kann. Du darfst sie dir also vorübergehend erlauben. ;-)) Gesunde Selbstreflexion vermag es, über mich selbst hinauszuwachsen, mich in herausfordernden Situationen und im Umgang mit aufwühlenden Emotionen auf den rechten Pfad der Stimmigkeit zurückzulotsen.

 

Eine gesunde Selbstreflexion ist wertvoll, hilft uns zu wachsen, aus Fehlern zu lernen. Ausgeprägte Selbstzweifel können hingegen zerstörerisch wirken und uns unserer Stärken berauben. Dabei sind unsere Stärken doch das Geschenk des Schöpfers an uns und unser Geschenk an die Welt! Oder nicht?!

 

Wo würdest du dich einnorden? Empfindest du dich eher als (übertrieben) selbstzweifelnd oder als im gesunden Maße selbstreflexiv? Vielleicht ist dir zur Veranschaulichung deines aktuellen Status Quo der unten stehende Selbsttest dienlich? 

 

Stelle dir eine Skala wie diese hier vor. Wo siehst du dich gerade? Ganz links bei massiv selbstzweifelnd oder ganz rechts bei selbstreflexiv? Ich bin gespannt, von dir zu lesen!

 

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selbstzweifelnd                                                                             selbstreflexiv

 

 

Alles Liebe & lebe deine zarte Stärke! 

Deine Inga

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Kommentare: 1
  • #1

    Bruni Graf (Mittwoch, 21 Februar 2024 21:15)

    Ziemlich weit links bei Selbstzweifel