Die häufigsten Glaubenssätze Hochsensibler

Irgendwie bin ich anders

Hochsensible machen in unserer Leistungsgesellschaft früh die Erfahrung der Andersartigkeit. Deshalb manifestieren sich bei ihnen Glaubenssätze, die sich zum Glück leicht relativieren lassen, wenn man um die Besonderheiten der Hochsensibilität weiß.

 

Wann immer ich es mit Hochsensiblen zu tun hatte, tauchten folgende Glaubenssätze in individueller Formulierung auf:

 

" Meine Wahrnehmung ist falsch / Ich nehme Dinge wahr, die für andere gar nicht spürbar sind.

 

" Rückzug und Innenschau: Ich bin so extrem ruhebedürftig. / Ich bin so langsam.

 

"  Starkes Harmoniebedürfnis: Ich bin nicht sonderlich konfliktfähig.

 

"  Verschobenes Leistungsbewusstsein: Ich bin nicht so leistungsfähig. / Ich schaffe das alles nicht.

 

"  Ich bin (hier) verkehrt. / Ich bin irgendwie anders. / Ich bin irgendwie nicht von dieser Welt.

 

 

Wie diese Glaubenssätze entstanden sein können

Meine Wahrnehmung ist falsch
Ich nehme Dinge wahr, die für andere gar nicht spürbar sind

 

Hochsensible nehmen Feinheiten im Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt wahr, die Normalsensible nicht unbedingt wahrnehmen. Das führt regelmäßig zu gegenseitigem Unverständnis. Hochsensible neigen dann schnell dazu, den „Fehler" bei sich zu suchen.

Viele Hochsensible berichten, dass sie bereits in ihrer Kindheit von ihren Bezugspersonen, ihren Freunden und Bekannten oft Unverständnis hinsichtlich ihrer Wahrnehmungen geerntet haben.

 

Viele berichten, sie hätten unterschwelligen Disput oder nicht bewältigten Streit zweier Personen beinahe „gerochen". Andere berichten, ihnen wäre schnell zu heiß oder zu kalt gewesen. Ihnen wäre es schnell zu laut oder eine Menschenmenge zu viel geworden. Die genervten normalsensiblen Eltern nannten sie dann „Prinzessin auf der Erbse" oder „prätentiös", „langsam", „nicht belastbar", „Sensibelchen", ...

 

So beschließen viele Hochsensible bereits in ihrer Kindheit, ihren Wahrnehmungen und sich selbst nicht mehr zu vertrauen oder sie bzw. sich selbst als falsch zu betrachten. Erst während ihres Erwachsenenlebens kommen sie wieder in Kontakt mit ihren besonderen „Antennen" und Talenten.

 

Aber einmal wiederentdeckt und an der richtigen Stelle selbstsicher und vertrauensvoll eingesetzt, wird die Hochsensibilität schnell zu einem ganz besonderen Talent und hilfreichen Werkzeug in Beruf und Privatleben.

 

 

Rückzug und Innenschau

Ich bin so extrem ruhebedürftig - Ich bin so langsam


Da Hochsensible deutlich mehr Sinneseindrücke und Informationen aufnehmen als Normalsensible, haben sie tatsächlich ein nachweisbar höheres Ruhe- und Schlafbedürfnis. Dabei sind sie keineswegs langsam in der Verarbeitung von Informationen. Im Gegenteil: Hochsensible werten in kürzester Zeit auf verschiedensten Ebenen mehr Informationen aus als Normalsensible.

 

Entwickeln sich hochsensible Kinder manchmal vermeintlich etwas langsamer als andere Kinder, weil sie gegen ständige Reizüberflutung anzukämpfen haben und mit dem Leistungsanspruch in Schule und Elternhaus konfrontiert sind, holen sie im Erwachsenenalter schnell auf. Und im Alter sind Hochsensible zumeist außerordentlich lange fit und geistig sehr rege - aufgrund ihres intensiven Innenlebens, in dem sie äußere Eindrücke ständig ins systemische Zusammenhänge einordnen und sich dadurch ständig weiterentwickeln und sich geistig fit halten.

 

Man sagt Hochsensiblen auch nach, dass sie sich erst später als ihre normalsensiblen Altersgenossen den ersten Liebschaften oder den ersten sexuellen Erfahrungen widmen. Dass sie sich deutlich vorsichtiger und erst mit zunehmender Lebenserfahrung wirklich und gerne auch langsam auf Lebenspartner einlassen. Denn: der potenzielle Partner eines Hochsensiblen sollte auch allerhand Verständnis, Respekt und Akzeptanz für diese Begabung mit sich bringen.

 

 

Starkes Harmoniebedürfnis
Ich bin nicht sonderlich konfliktfähig

 

Hochsensible haben meist ein großes Harmoniebedürfnis, denn Konflikte sind für sie ungleich anstrengender als für Normalsensible. Wenn sie von einem starken Konfliktpartner angefahren werden, sind sie ob der heftigen Energie, die ihnen da entgegenschlägt erst einmal überwältigt und können sich meist nicht schlagfertig behaupten.

 

Lange bearbeiten sie einen Konflikt in ihrem Innern nach. Sie betrachten sich selbst und die eigenen Muster, den eigenen Beitrag am Konflikt, fühlen sich in die Situation des anderen ein, betrachten das familiäre und gesellschaftliche Gefüge, betrachten das Geschehene auf verschiedenen Metaebenen. Während Normalsensible einen Konflikt vielleicht als ein angenehm reinigendes Gewitter wahrnehmen, ist er für Hochsensible eine wahre Herausforderung und Wachstumsaufgabe.

 

Dennoch sind Hochsensible meiner Erfahrung nach meist außerordentlich konfliktfähig, weil sie sehr empathisch und rücksichtsvoll auf den Konfliktpartner eingehen. Sie sparen sich sogar oft eine angebrachte Erwiderung, weil sie spüren, dass der andere dem momentan nicht gewachsen wäre. Leider geht dies hauptsächlich zu Lasten des Hochsensiblen.

 

Ich empfehle Hochsensiblen daher, sich das eigene Umfeld achtsam auszuwählen, zu lernen rechtzeitig Grenzen zu setzen und Dauerkonflikte oder große, unachtsame Eskalationen zu vermeiden.

 

 

Verschobenes Leistungsbewusstsein
Ich bin nicht so leistungsfähig - Ich schaffe das alles nicht

 

Weil Hochsensible so viel mehr Informationen und Sinneseindrücke wahrnehmen und verarbeiten, benötigen sie zwar für die Auswertung einer Situation manchmal etwas länger als Normalsensible. Das heißt aber nicht, dass sie weniger leisten.

 

Für Normalsensible erwecken Hochsensible manchmal den Eindruck, sie seien nicht so leistungsfähig, weil sie sich schneller wegen vermeintlicher Lappalien beschweren, z.B. wegen zu hoher oder zu niedriger Temperaturen, wegen zu vieler Menschen um sie herum, wegen zu viel Lärm oder sonstiger Sinneseindrücke oder wegen zu heftiger Wetterwechsel. Weil sie mehr Pausen benötigen, erst mit Abstand verworrene Situationen klarer sehen und Konflikte gerne bedacht und nach mindestens „einmal überschlafen" klären.

 

Dabei haben Hochsensible aufgrund ihrer Begabung, mehr Informationen und Sinneseindrücke wahrnehmen zu können, schlichtweg einen andern idealen Tages- und Arbeitsablauf. Sie leisten im Allgemeinen jedoch Außerordentliches. Ich habe von Hochsensiblen gehört, für die nach deren Kündigung in der Firma vier statt dem bisher einzigen (hochsensiblen) Mitarbeiter eingestellt werden mussten.

 

Hochsensible leisten anders und oft Gigantisches, bei größerer Belastung. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns regelmäßig Auszeiten nehmen, gut regenerieren. Denn wir laufen gerne mal am obersten Stresspegel durch den Alltag...

 

 

Ich bin (hier) verkehrt
Ich bin irgendwie anders
Ich bin irgendwie nicht von dieser Welt

 

Haben Hochsensible keinen Austausch untereinander und haben sie von obigen Glaubenssätzen viele übernommen, führt dies meist irgendwann dazu, dass sie resignieren und zu dem Schluss kommen, sie seien irgendwie verkehrt und / oder nicht von dieser Welt.

 

Da ist es doch schön zu wissen, dass im Schnitt 20 % der Bevölkerung Hochsensible sind. Und mit denen ist ein Austausch auf ähnlicher Wahrnehmungsebene tatsächlich möglich. - Nur finden muss man sie. Und das geht am einfachsten, in dem man sich zur eigenen Hochsensibilität bekennt, habe ich feststellen dürfen.

 

Ich freue mich auf Ihr Feedback! Und sollten Sie Lust auf einen Austausch mit anderen Sensitiven haben, dann schauen Sie doch mal bei Termine rein.

 

Herzliche Grüße

Inga Dalhoff

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