Die häufigsten Glaubenssätze Hochsensibler

Irgendwie bin ich anders

Foto fliegender Schwan "Die 5 häufigsten Glaubenssätze Hochsensibler"

Hochsensible machen in unserer Leistungsgesellschaft früh die Erfahrung der Andersartigkeit. Deshalb manifestieren sich bei ihnen Glaubenssätze, die sich zum Glück leicht relativieren lassen, wenn man um die Besonderheiten der Hochsensibilität weiß.

 

Wann immer ich es mit Hochsensiblen zu tun hatte, tauchten fünf Glaubenssätze in individueller Formulierung auf. 

 

Wie diese Glaubenssätze entstehen und wie du sie relativierst, erfährst du in diesem Artikel.

 

Die 5 häufigsten Glaubenssätze Hochsensibler

 

1 Meine Wahrnehmung ist falsch / Ich nehme Dinge wahr, die für andere gar nicht spürbar sind.

 

2 Rückzug und Innenschau: Ich bin so extrem ruhebedürftig. / Ich bin so langsam.

 

3 Starkes Harmoniebedürfnis: Ich bin nicht sonderlich konfliktfähig.

 

4 Verschobenes Leistungsbewusstsein: Ich bin nicht so leistungsfähig. / Ich schaffe das alles nicht.

 

5 Ich bin (hier) verkehrt. / Ich bin irgendwie anders. / Ich bin irgendwie nicht von dieser Welt.

 

 

Wie diese Glaubenssätze entstanden sein können & wie du sie relativierst

1 Meine Wahrnehmung ist falsch
Ich nehme Dinge wahr, die für andere gar nicht spürbar sind

 

Hochsensible nehmen Feinheiten im Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt wahr, die Normalsensible nicht unbedingt wahrnehmen. Das führt regelmäßig zu gegenseitigem Unverständnis. Hochsensible neigen dann schnell dazu, den „Fehler" bei sich zu suchen.

 

Viele Hochsensible berichten, dass sie bereits in ihrer Kindheit von ihren Bezugspersonen, ihren Freunden und Bekannten oft Unverständnis hinsichtlich ihrer Wahrnehmungen geerntet haben.

 

Viele berichten, sie hätten unterschwelligen Disput oder nicht bewältigten Streit zweier Personen beinahe „gerochen", obwohl diese den Streit heftig negierten. Andere berichten, ihnen wäre schnell zu heiß oder zu kalt gewesen. Ihnen wäre es schnell zu laut oder eine Menschenmenge zu viel geworden. Die genervten normalsensiblen Eltern nannten sie dann „Prinzessin auf der Erbse" oder „prätentiös", „langsam", „nicht belastbar", „Sensibelchen", ...

 

So beschließen viele Hochsensible bereits in ihrer Kindheit, ihren Wahrnehmungen und sich selbst nicht mehr zu vertrauen oder sie bzw. sich selbst als falsch zu betrachten. Erst während ihres Erwachsenenlebens kommen sie wieder in Kontakt mit ihren besonderen „Antennen" und Talenten.

 

 

Wie du diesen Glaubenssatz relativierst: 

 

Bitte sei dir immer bewusst, dass deine Wahrnehmung absolut richtig ist! Jeder hat seine eigene Wahrnehmung und aus der Perspektive des Einzelnen ist die seine immer richtig. Sie kann sich im Austausch mit anderen wandeln oder erweitern. Dennoch bleibt es stets die ureigene Wahrnehmung, der wir vertrauen dürfen, ja müssen, wenn wir ein glückliches und gesundes Leben führen wollen. 

 

 

2 Rückzug und Innenschau

Ich bin so extrem ruhebedürftig - Ich bin so langsam


Da Hochsensible deutlich mehr Sinneseindrücke und Informationen aufnehmen als Normalsensible, haben sie tatsächlich ein nachweisbar höheres Ruhe- und Schlafbedürfnis. Dabei sind sie keineswegs langsam in der Verarbeitung von Informationen. Im Gegenteil: Hochsensible werten in kürzester Zeit auf verschiedensten Ebenen mehr Informationen aus als Normalsensible.

 

Entwickeln sich hochsensible Kinder manchmal vermeintlich etwas langsamer als andere Kinder, weil sie gegen ständige Reizüberflutung anzukämpfen haben und mit dem Leistungsanspruch in Schule und Elternhaus konfrontiert sind, holen sie im Erwachsenenalter schnell auf. Und im Alter sind Hochsensible zumeist außerordentlich lange fit und geistig sehr rege - aufgrund ihres intensiven Innenlebens, in dem sie äußere Eindrücke ständig in systemische Zusammenhänge einordnen und sich dadurch ständig weiterentwickeln und sich geistig fit halten.

 

Man sagt Hochsensiblen auch nach, dass sie sich erst später als ihre normalsensiblen Altersgenossen den ersten Liebschaften oder den ersten sexuellen Erfahrungen widmen. Dass sie sich deutlich vorsichtiger und erst mit zunehmender Lebenserfahrung wirklich und gerne auch langsam auf Lebenspartner einlassen. Denn: der potenzielle Partner eines Hochsensiblen sollte auch allerhand Verständnis, Respekt und Akzeptanz für diese Begabung mit sich bringen.

 

 

Wie du diesen Glaubenssatz relativierst: 

 

Du bist, wie du bist! Und das ist genau richtig so! Es ist wundervoll, wenn es Menschen gibt, die die Dinge langsamer angehen und bewusst durchleuchten. Du brauchst diese Bedächtigkeit, den vielen Schlaf und Rückzugszeiten. Also nimm sie dir! Du solltest es dir wert sein!

 

Und sei dir bewusst: Die anderen ahnen nichts von deinem Dilemma und sie sind auch nicht dafür verantwortlich. Es ist an dir, dir deine Langsamkeit und Ruhebedürftigkeit zu erlauben und zu erfüllen. Niemand sonst kann das für dich übernehmen.

 

Und das Wundervolle ist: Sobald du zu dir stehst und deine Bedürfnisse ganz selbstverständlich auslebst, wird das akzeptiert und respektiert. Wirklich! Ich habe es ausgiebig getestet. ;-)

 

 

3 Starkes Harmoniebedürfnis
Ich bin nicht sonderlich konfliktfähig

 

Hochsensible haben meist ein großes Harmoniebedürfnis, denn Konflikte sind für sie ungleich anstrengender als für Normalsensible. Wenn sie von einem starken Konfliktpartner angefahren werden, sind sie von der heftigen Energie, die ihnen da entgegenschlägt, erst einmal überwältigt und können sich meist nicht schlagfertig behaupten.

 

Lange bearbeiten sie einen Konflikt in ihrem Inneren nach. Sie betrachten sich selbst und die eigenen Muster, den eigenen Beitrag zum Konflikt, fühlen sich in die Situation des anderen ein, betrachten das familiäre und gesellschaftliche Gefüge, betrachten das Geschehene auf Ebenen. Während Normalsensible einen Konflikt vielleicht als ein angenehm reinigendes Gewitter wahrnehmen, ist er für Hochsensible eine wahre Herausforderung und Wachstumsaufgabe.

 

Die Herausforderung für viele Hochsensible ist, sich auch spontan behaupten zu können. Oftmals sind sie so erschlagen vom heftigen Gegenwind, dass sie sich erst einmal zurückziehen und vielleicht sogar klein beigeben. Erst wenn sie "sich sortiert" haben und einmal über die ganze Sache geschlafen haben, finden sie in ihre Haltung zurück. Manchmal ist es dann zu spät, um für sich einzutreten.

 

Ich habe mir angewöhnt, mein Gegenüber darum zu bitten, die Dinge an einem miteinander zu vereinbarenden Termin zu besprechen, damit ich mir Gedanken machen kann. So habe ich die Möglichkeit, mir meiner Position klar zu werden. Und beim anderen sind oft die ärgsten und für mich so überwältigenden Emotionen verflogen, so dass wir einander achtsamer begegnen und eine gute Lösung miteinander finden können.

 

Vielleicht ist das eine Herangehensweise die auch dir dienlich ist?

 

 

Wie du diesen Glaubenssatz relativierst: 

 

Auf deine Art bist du konfliktfähig. Schaffe dir den Rahmen, den du brauchst, um Gegenwind gut aushalten zu können. Und du darfst auch wählen, ob du mit einem Choleriker oder einer Zicke als PartnerIn oder ChefIn leben möchtest. Ich finde es sehr legitim, das Liebesleben, das Arbeitsumfeld und den Freundeskreis zu wählen, der dir gut tut und die Entfaltung deiner zarten Stärke zulässt. Du musst nichts aushalten. Du darfst wählen! Übernimm die Verantwortung für dein Wohlbefinden.

 

 

4 Verschobenes Leistungsbewusstsein
Ich bin nicht so leistungsfähig - Ich schaffe das alles nicht

 

Weil Hochsensible so viel mehr Informationen und Sinneseindrücke wahrnehmen und verarbeiten, benötigen sie zwar für die Auswertung einer Situation manchmal etwas länger als Normalsensible. Das heißt aber nicht, dass sie weniger leisten.

 

Für Normalsensible erwecken Hochsensible manchmal den Eindruck, sie seien nicht so leistungsfähig, weil sie sich schneller wegen vermeintlicher Lappalien beschweren, z.B. wegen zu hoher oder zu niedriger Temperaturen, wegen zu vieler Menschen um sie herum, wegen zu viel Lärm oder sonstiger Sinneseindrücke oder wegen zu heftiger Wetterwechsel. Weil sie mehr Pausen benötigen, erst mit Abstand verworrene Situationen klarer sehen und Konflikte gerne bedacht und nach mindestens „einmal überschlafen" klären.

 

Dabei haben Hochsensible aufgrund ihrer Begabung, mehr Informationen und Sinneseindrücke wahrnehmen zu können, schlichtweg einen anderen idealen Tages- und Arbeitsablauf. Sie leisten im Allgemeinen jedoch Außerordentliches. Ich habe von Hochsensiblen gehört, für die nach deren Kündigung in der Firma sage und schreibe vier! statt dem bisher einzigen (hochsensiblen) Mitarbeiter eingestellt werden mussten. Gut, das mag eine absolute Ausnahmesituation gewesen sein, dennoch höre ich oft, dass Hochsensible viel Arbeitseifer mitbringen und ihrem Arbeitgeber gute Mitarbeiter sind.

 

 

Wie du diesen Glaubenssatz relativierst: 

 

Schreibe doch einfach einmal auf, was du an dem heutigen Tag, in der vergangenen Woche, dem letzten Monat oder Jahr so alles gemeistert hast. Und schreibe bitte ALLES auf, was du gemeistert hast (beruflich und privat)! Auch die Dinge, die aus deiner Sicht oder aus Sicht deines Chefs nicht unbedingt zählen, weil sie nur indirekt zum Erfolg beitragen, wie z.B. dass du immer für eine harmonische Stimmung sorgst, in der gute Arbeit geleistet werden kann oder ähnliches.

 

Ich bin sicher, dass du feststellen wirst, dass du hervorragende Arbeit geleistet hast und Vieles bewältigen konntest. Dass du Vieles in dir bewegt und reflektiert hast. Feiere das! Sobald du deinen Wert kennst, akzeptieren ihn auch die anderen!

 

 

5 Ich bin (hier) verkehrt
Ich bin irgendwie anders
Ich bin irgendwie nicht von dieser Welt

 

Haben Hochsensible keinen Austausch untereinander und haben sie von obigen Glaubenssätzen viele übernommen, führt dies meist irgendwann dazu, dass sie resignieren und zu dem Schluss kommen, sie seien irgendwie verkehrt und / oder nicht von dieser Welt.

 

Da ist es doch schön zu wissen, dass im Schnitt 20 % der Bevölkerung hochsensibel sind. Und mit denen ist ein Austausch auf ähnlicher Wahrnehmungsebene tatsächlich möglich. - Nur finden muss man sie. Dank der sozialen Medien ist das längst viel einfacher geworden als noch vor ein paar Jahren. Schau doch mal in die internette Welt, vielleicht findest du die ein oder andere Person in deiner Nähe, der du einen Austausch vorschlagen kannst. Inzwischen gibt es auch in den meisten größeren Städten Treffen für Hochsensible (wie z.B. meinen zart stark Treff).

 

 

Wie du diesen Glaubenssatz relativierst: 

 

Ich fand es grandios, Bücher und Blogartikel über Hochsensibilität zu lesen. Das hat mir das Gefühl gegeben, nicht allein mit meiner Gabe zu sein. Das hat mir Sicherheit bezüglich meiner Wahrnehmungen geschenkt und ich konnte mir meine zarte Stärke erlauben. Vielleicht hilft es dir genauso? Und wie gesagt, auch der persönliche Austausch ist heute einfach zu organisieren. Schau einfach mal ins world wide web. 

 

 

Nun lass es dir gut gehen und feiere deine zarte Stärke! Mögest du in deine wahre Größe finden!

 

Alles Liebe,

deine Inga

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