Sie sind nicht die Fehler, die Sie gemacht haben

Wie Sie unternehmerische Krisen bewältigen

Männchen, das wie Sisiphus eine große Felskugel einen steilen Hang emporrollt

Mein unternehmerisches Dasein besteht nicht nur aus Höhenflügen. Da gibt es auch Flauten und tiefe Täler, leere Auftragsbücher und Miese auf dem Konto. Dann im Vertrauen zu bleiben, fällt mir nicht immer leicht. Darüber zu schreiben auch nicht. Denn das ist in weiten Kreisen ein Tabu.

 

Beim Austausch unter Selbständigen (und Angestellten) fällt mir auf: Selten traut sich jemand, über eine persönliche oder unternehmerische Krise zu sprechen. Da wird Fassade präsentiert. So wie wir es aus der Werbung kennen. Alles glänzt und glitzert. Ich bin erfolgreich – buch mich!

 

Auf's und Ab's sind die Regel

Aber im Dasein einer jeden UnternehmerIn gibt es Auf's und Ab's. Die Auf's sind einfach genial. Die fühlen sich grandios an. Und wenn es uns gelingt, sie nicht als gegeben hinzunehmen, sondern sie zu schätzen und zu genießen, dann sind sie der Himmel auf Erden. Und das ist gut so, denn sie nähren uns. Auch und gerade in Zeiten, in denen es nicht so gut läuft.

 

Die Ab's sind weniger angenehm. Manche stecken sie abgeklärter weg als andere. Ganz nach dem Motto: Wenn es bei mir bergab geht, lasse ich mich nicht aufhalten. Denn ich nehme Schwung fürs Aufwärts.

 

Bei mir lösen die Ab's regelmäßig innere Wachstumsschübe aus – positiv ausgedrückt. Ehrlich gesprochen lösen sie ab einer bestimmten Länge und Intensität Existenzängste, Selbstzweifel und depressive Stimmung bei mir aus.

 

Meine hohen Ansprüche an mich selbst sind mir in diesen Situationen nicht gerade dienlich. Hektischer Aktionismus auch nicht. Die Annahme dessen, was ist, ist mal wieder der Weisheit letzter Schluss. Darin übe ich mich. Und es gelingt mir zunehmend besser.

 

Was ich lernen durfte

Mich nicht mit den falschen Dingen zu identifizieren. Als Kind unserer Leistungsgesellschaft und des schnöden Mammons hatte ich meinen Selbstwert an meinen finanziellen Erfolg gekoppelt. Schrumpfte mein Guthaben oder wuchs der in Anspruch genommene Dispo, fühlte ich mich schnell erfolglos. Ich machte mir Vorwürfe. Suchte nach Fehlern, die ich gemacht hatte. Mein Selbstwert schrumpfte. Mein Herz wurde eng. Mein Selbstvertrauen schwand. Die Selbstzweifel wurden größer.

 

Die Essenz meiner Erkenntnis lässt sich so zusammenfassen:

 

1. Ich bin nicht die Fehler, die ich gemacht habe.

2. Ich bin nicht mein Kontostand.

3. Ich bin nicht der (finanzielle) Erfolg, den ich habe oder nicht habe.

 

Sondern: Ich bin Inga. Mit all meinen Facetten, meinen Talenten und Lernaufgaben, mit meiner Wut und meiner Trauer, mit meiner Begeisterung und Wissbegierde, mit meiner Zartheit und mit meinen Sicherheitsbedürfnissen, mit meinen Träumen, Sehnsüchten und mit all meinen Mustern und meinem Irrglauben. :-)

 

Und noch eine Erkenntnis

durfte in mir reifen: Ja, ich bin Schöpferin meines Lebens und meines Unternehmens. Doch ich erschuf mir so manchen sehr hoch gesteckten Traum. Und ich endete im Kampf gegen das, was ich nicht wollte. Ich wurde hart und uneinsichtig und übersah die Fingerzeige meines Herzens und meiner liebevollen Begleiter.

 

Und so fühle ich mich wieder einmal aufgerufen, der Stimme meines Herzens zu lauschen. Mich in Demut und Dankbarkeit zu üben, für das, was ich bin und was ich bereits besitze. UND zu akzeptieren, was ist. Dann werde ich wieder weich und kann mich dem Fluss des Lebens hingeben.

 

Wie mir das gelingt?

 

Mal gut und mal weniger gut. Aber immer besser, je mehr ich mich darin übe. Und am besten gelingt es mir während meiner Meditationen oder einem Ausflüge in die Natur. :-)

 

Und wie ist es bei Ihnen?

 

Herzlichst,

Ihre Inga Dalhoff

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